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KIT Wissen

400.000 Zebrabärblinge auf dem Campus Nord

am 22. und 23. September 2011

Moderation: Judith Böseke

 

Aquarium

Mit 400.000 Fischen unterhält das Karlsruher Institut für Technologie ganz nebenbei die größte Fischzucht Europas. Was da in unzähligen Haltebecken aufgezogen wird, ist der Zebrabärbling, ein Süßwasserfisch, dessen ursprüngliche Heimat in Indien und Pakistan liegt. Er ist nicht nur robuster als die sprichwörtlichen Labormäuse, er ist auch noch durchsichtig. Bei der Erforschung von Gendefekten ein nicht zu verachtender Vorteil.

Von besonderem Interesse sind mutierte Zebrabärblinge. Auf dem Campus Nord hält man alle bekannten Mutationen dieser Fischart für Forschungsprojekte weltweit vorrätig. An den mutierten Fischen lässt sich die Funktionsweise des Lebens besonders gut studieren. "Will man verstehen, was einzelne Gene im Körper bewirken, muss man sie ähnlich wie einen Lichtschalter einzeln ausknipsen", erklärt Professor Uwe Strähle, Leiter des Instituts für Toxikologie und Genetik auf Radio KIT.

 

Ganz ohne

Ganz ohne Tierversuche kommen die Krebsforscher Frau Dr. Irina Nazarenko und Dr. Stefan Giselbrecht aus. Tumorzellen können normale Zellen des Körpers so verändern, dass ihnen in bestimmten Organen, wie in der Lunge, in der Leber und in den Knochen, ein fruchtbarer Boden vorbereitet wird. In diesen Nischen können sich zirkulierende Tumorzellen ansiedeln, um Metastasen zu bilden.

Wenn man menschliche Zellen auf mikrostrukturierten Biochips in Bioreaktoren kultiviert, lassen sich die Abläufe bei der Interaktion zwischen Zellen und der Nische in Knochengewebe lebensecht beobachten, ohne dass Tiere dafür herangezogen werden müssen.

Der Verein Ärzte gegen Tierversuche zeichnete das Forschungsprojekt mit einem Preis aus. Die Radio KIT Reporterin Eva Zovko hat Dr. Gisbrecht am Institut für Biologische Grenzflächen über seine Motivation befragt.

 

Robodoc

Die erste Robotergeneration, die in den Fabrikhallen Autos zusammenschweißten oder Lagerbestände ordneten, musste noch hinter Gitter arbeiten. Zu gefährlich war der direkte Kontakt mit Menschen. Inzwischen haben die Roboter den sanften Griff gelernt und so gibt es auch in der Medizin immer mehr Anwendungen, bei denen ihre Präzision und Zuverlässigkeit gefragt ist.

Das muss nicht gleich der Roboter sein, der das Skalpell oder die Knochensäge schwingt. Auch sonst gibt es in den Krankenhäusern einiges für die intelligenten Maschinen zu tun. Besonders vielversprechend, der Miniroboter in Pillengröße, den man schluckt oder injiziert bekommt. "Er erlaubt Wartungsarbeiten im Körper ganz ohne hässliche Schnitte", erklärt Professor Heinz Wörn, Leiter des Instituts für Prozessrechentechnik, Automation und Robotik des KIT.

 

(Text: Stefan Fuchs, Bild: Wikimedia Commons)