Institute for Project Defaults

KIT Wissen

Heinrich Hertz-Gastprofessor Dr. Heiner Geißler mahnt die Scientific Community zur Konfliktfähigkeit gegenüber der Finanzindustrie. (Bild: Irina Westermann)

vom 30. Juni und 1. Juli 2011

Moderation: Carmen Belaschk

 

Getriebene Politiker, verängstigte Wissenschaftler

 

Dem ehemaligen Generalsekretär der CDU und Stuttgart 21-Schlichter Dr. Heiner Geißler wurde diese Woche Dienstag die renommierte Heinrich Hertz-Gastprofessur des KIT verliehen. In einem launigen Vortrag über die Rolle von Sprache und Information in der Demokratie ermahnte Dr. Geißler die im Audimax des KIT versammelten Wissenschaftler, die Politiker in ihrem Bestreben zu unterstützen, das Primat der Politik gegenüber den Finanzmärkten wieder herzustellen.

Die Scientific Community dürfe den Konflikt nicht scheuen. Die Drittmittelfinanzierung von Forschung habe zu einer unheilvollen Ängstlichkeit der Wissenschaftler gegenüber der Wirtschaft geführt, beklagte ATTAC-Aktivist Geißler nicht ohne Ironie gegenüber Radio KIT Wissen. Dabei gäbe es jede Menge Geld für die Forschung, wenn die unter dem Namen Tobin-Steuer bekannt gewordene Finanztransaktionssteuer endlich eingeführt werde. Ein Projekt, das inzwischen offizieller Bestandteil der Regierungspolitik Angela Merkels sei.

 

Rückkehr zur Rationalität

Ein Transformationsprojekt von gewaltigen Ausmaßen mit vielen Unwägbarkeiten nennt KIT Vorstand Prof. Eberhard Umbach in seiner Funktion als Vizepräsident für den Forschungsbereich Energie der Helmholtz Gemeinschaft im Gespräch mit dem Wissenschaftsjournalisten Stefan Fuchs die Energiewende in der Bundesrepublik.

Leider sei die öffentliche Diskussion im Umfeld der Katastrophe von Fukushima durch überbordende Emotionen und jede Menge Unwissen geprägt gewesen. Die Gesellschaft müsse jetzt schnellstens zur Rationalität zurückfinden. Die Rolle der Wissenschaft sei es, diesen Transformationsprozess beratend zu begleiten und durch neue Ideen und Erfindungen überhaupt erst möglich zu machen. Dafür müsse Energieforschung auch mit den entsprechenden finanziellen Mitteln ausgestattet werden.

 

Tiefschwarz

Ein mehrtätiger großflächiger Stromausfall würde die Menschen in einem hochtechnisierten Land wie Deutschland mit der Wucht einer Naturkatastrophe treffen. Das ist das Fazit einer Studie des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag, einem Hauptstadt-Ableger des KIT Instituts für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS). Unsere Reporterin Agnes Nahm hat sich mit dem stellvertretenden Leiter Dr. Thomas Petermann über eine Gesellschaft ohne Strom unterhalten.

 

Satter Sound

Autofahren in der gehobenen Fahrzeugklasse ist heute ein multimediales Erlebnis. Nicht nur die weichen Formen des Boliden, der Kitzel der souveränen Beschleunigung und das Lichterspiel der Elektronik spielen eine Rolle. Auch das Ohr will mit vom satten Abrollgeräusch der Breitreifen über Asphalt oder Beton geschmeichelt werden. Dann erst stellt sich das beseligende Gefühl eines überlegenen Triumphes über den Raum ein.

Forscher des KIT vom Institut für Fahrzeugsystemtechnik (FAST) haben jetzt ein neues Reifen-Schwingungsmodell entwickelt, das den Sounddesignern von Automobilkonzernen hilft, den perfekten Autoklang zu kreieren. Radio KIT-Redakteurin Anna Becker hat es sich angesehen.

 

Datenwirbel im Laserstrahl

Das Licht reist schneller als elektrische Ladungen. Deshalb setzt auf optische Übertragung, wem es um große Datenmengen geht. Den Rekordjägern um den Schweizer Professor Jürg Leuthold geht es um wirklich große Datenmengen.

Der Inhalt von 700 prallvollen DVDs, das entspricht 26 Terabit, haben sie in nur einer Sekunde per Laserstrahl übertragen. Das ist Weltrekord und brachte eine Veröffentlichung in der renommierten Wissenschaftszeitschrift „Nature Photonics“. Mit 26 Terabit pro Sekunde könnte man 400 Millionen Telefongespräche gleichzeitig übertragen. Radio KIT-Redakteurin Isabel Heine hat die Datendompteure in ihrem Testlabor besucht.

(Texte: Stefan Fuchs)