Institute for Project Defaults

KIT Wissen

Image Credit: James Butler „Windfarm“

am 07. und 8. April 2011

Moderation: Judith Böseke

Ein wahres Horrorszenario geistert gegenwärtig durch die öffentlichen Debatten über den Ausstieg aus der Kernenergie. 3600 Kilometer neue Hochspannungsleitungen wären dafür nötig. Beispielsweise um Windenergie aus dem Norden in den Süden zu transportieren. Geradezu flächendeckend müsse die Republik mit Strommasten zugepflastert werden. Für Professor Thomas Leibfried, Leiter des Instituts für Elektroenergiesysteme und Hochspannungstechnik des KIT, ist das keineswegs ausgemacht. Anstelle der 400 Kilovolt Drehstrom Leitungen könnte auch die sehr viel modernere Gleichstromübertragungstechnik verwendet werden. In diesem Falle würden Erd- und Seekabel die Freileitungen ersetzen. So könne ein zusätzliches Netz entstehen, dass das alte überlagere. Die Vision ist ein europäisches „Supergrid“, das Pumpspeicherkraftwerke in Norwegen, Windkraftanlagen in der Nordsee und Solarkraftwerke in der Sahara umweltschonend verbinden könnte. Im Gespräch mit dem Wissenschaftsjournalisten Stefan Fuchs zeigt der KIT-Experte auch Verständnis für die Ängste der Bürger vor möglichen gesundheitlichen Gefahren, die von den Hochspannungsfreileitungen ausgehen.

Künstliche Hüftgelenke, Zahnprothesen, Herzschrittmacher: Art und Zahl der in der modernen Medizin verwendeten Implantate wächst exponentiell. Die meisten dieser Eingriffe sind inzwischen Routine. Dennoch gibt es in einigen Fällen Komplikationen mit Entzündungen, die durch das Metall im Körper ausgelöst werden. Die betroffenen Patienten müssen dann über lange Zeit mit Antibiotika leben, in besonders schweren Fällen muss das Implantat sogar wieder entfernt werden. Einem jungen KIT-Forscherteam ist es nun gelungen, diese Gefahr durch eine antimikrobielle Beschichtung der Implantate zu bannen. Thomas Wagner berichtet in Radio KIT über eine Entdeckung, bei der auch Glück im Spiel war.

Das Universum verdankt seine Existenz dem Urknall. Dabei entstand aus reiner Energie Materie und Antimaterie. Schon in dieser sehr frühen Phase, 10 -36 Sekunden nach dem Urknall, vernichteten Materie und Antimaterie sich wieder gegenseitig und produzierten nach der legendären Einsteinschen Formel E=m c 2 die Energie, die in der Masse der beiden Materiearten steckte. Eigenartigerweise aber geschah die Rückverwandlung der Materie nicht vollständig. Ein kleiner Teil der entstandenen Materie (etwa ein Milliardstel) blieb übrig und bildete unser Universum, mit unserem Planeten mit uns selbst und allem anderen darauf. Dieses rätselhaften Phänomens, dem wir unsere Existenz verdanken, nennen die Physiker „Asymmetrie“. Mit dem 8. April 2011 hofften Forscher rund um den Globus, würde man der Entschlüsselung dieses Rätsels ein gutes Stück näher kommen. Für diesen Tag war in der japanischen Wissenschaftsstadt Tsukuba die Grundsteinlegung für den neuen KEK Hochenergieteilchenbeschleuniger vorgesehen. Physiker des KIT waren bereits mit der Entwicklung des Detektors betraut. Aber das Erdbeben macht den Wissenschaftlern nun vorerst einen Strich durch die Rechnung. Der Spatenstich muss auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Radio KIT Redakteur Stefan Fuchs spricht mit dem Elementarteilchenphysiker Thomas Müller über das auf Eis gelegte Projekt. (Text: Stefan Fuchs)

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